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Wie das klimabezogene Reporting verbessert werden kann

European Reporting Lab und Sustainable Finance Beirat legen Berichte vor. Das klimabezogene Reporting im Rahmen der nichtfinanziellen Berichterstattung von Unternehmen der Realwirtschaft ist essentiell, wenn der Wandel zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft gelingen soll. Den Status quo dieser Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie mögliche Verbesserungsansätze haben das European Reporting Lab und der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung in ihren Berichten dargestellt.

Für die von der EU geplanten Umleitung der privaten Finanzierungen in nachhaltige Investments ist u.a. entscheidend, dass die entsprechenden Daten über einzelne Unternehmen und deren Tätigkeiten für Investoren zur Verfügung stehen. Von zentraler Bedeutung ist deshalb die nichtfinanzielle Berichterstattung von Unternehmen. Um diese Berichterstattung zu verbessern, hat sich international bereits eine Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) gebildet, die im Juni 2017 Empfehlungen für die nichtfinanzielle Berichterstattung erarbeitet hat. Die Europäische Kommission hat ihrerseits nicht bindende Leitlinien für die nichtfinanzielle Unternehmensberichterstattung erlassen.

Sie hat zudem eine entsprechende Überarbeitung der Non-financial Reporting Directive  (NFRD) angestoßen. Handlungsbedarf für eine Verbesserung der nichtfinanziellen Berichterstattung (Nachhaltigkeitsberichterstattung) im Hinblick auf Transparenz, Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit sowie die Wesentlichkeit von nachhaltigkeitsbezogenen Informationen sieht auch der Sustainable Finances Beirat (SFB), der die Bundesregierung bei der Erarbeitung einer nationalen Sustainable Finance Strategie berät. Sein am 5. März 2020 veröffentlichter und zur Konsultation gestellter Zwischenbericht enthält daher auch entsprechende Handlungsansätze zur Verbesserung des Informationsflusses zwischen Realwirtschaft und Finanzsektor.

Studie des European Reporting Lab zu Good Practices bei der nichtfinanziellen Berichterstattung

Auf Europäischer Ebene soll das European Corporate Reporting Lab (European Reporting Lab) untersuchen, wie die klimabezogene Berichterstattung von Unternehmen verbessert werden kann. Das European Reporting Lab ist auf Anregung der EU-Kommission in ihrem Action Plan on Financing Sustainable Growth eingerichtet worden, um die Entwicklung von Best Practices in der Unternehmensberichterstattung zu fördern.

Im Februar 2020 hat es eine erste Studie zu den Good Practices der nichtfinanziellen Berichterstattung veröffentlicht (). Dafür hat eine Project Task Force on Climate-related Reporting (PTF CRR) die gegenwärtige Praxis der Berichterstattung durch (vor allem europäische) Unternehmen untersucht und insbesondere mit den Empfehlungen der TCFD verglichen. Ziel dieser Untersuchung war es, Good Practice-Beispiele zu identifizieren, die als Orientierung für den Markt dienen können. Gleichzeitig sollte ein Dialog zwischen den Erstellern der nichtfinanziellen Berichte (insbesondere Unternehmen) und deren Nutzern (Investoren) angestoßen werden, um die Berichterstattung zu verbessern.

Die PTF CRR hat dabei zwei unterschiedliche Aspekte betrachtet. Sie hat zum einen allgemein die klimabezogene Berichterstattung der Unternehmen untersucht. Zum anderen hat sie geprüft, inwieweit Unternehmen verschiedenen Klimaszenarien bei ihrer Berichterstattung berücksichtigen. Insgesamt kommt die PTF CRR zu dem – wenig überraschenden – Ergebnis, dass sich das klimabezogene Reporting zwar verbessert, aber weiterhin eine Herausforderung bleibt.

Klimabezogene Berichterstattung

Die klimabezogene Berichterstattung befindet sich immer noch im Aufbau. Die Unternehmen wählen dabei unterschiedliche Ansätze, die teilweise nicht näher erläutert werden und damit nur schwierig vergleichbar sind. Zwar werden klimabezogene Ziele und Strategien dargestellt, es fehlt hingegen häufig an der Überwachung deren Einhaltung. Die Informationen sind nicht immer klar genug formuliert und miteinander verbunden, so dass die Nutzer der Berichte kein vollständiges Bild erhalten. Zudem könnten nationale und internationale Verpflichtungen stärker einbezogen werden.

Von den Empfehlungen der TCFD, die vier Themenbereiche (Steuerung, Strategie, Risikomanagement sowie messbare Ziele umfasst, erscheint der Bereich der messbaren Ziele am weitesten entwickelt. Bei der unternehmensinternen Steuerung wird nur selten beschrieben, inwieweit die Überwachung der klimabezogenen Risiken und Möglichkeiten im obersten Management verankert ist. Die Strategie ist in der Regel nur auf kurzfristige Ziele ausgerichtet, eine deutliche mittel- oder langfristige Strategie ist dagegen zumeist nicht zu erkennen. Zudem wird zwar behauptet, dass Klimarisiken im Risikomanagement berücksichtigt werden. Diese Behauptung wird indes nicht näher belegt.

Insgesamt ist auffällig, dass der Fokus eher auf die Transitionsrisiken als auf die mit dem Klimawandel verbundenen physischen Risiken gelegt wird, da letztere häufig schwieriger zu erfassen sind. Bei allen positiven Ansätzen besteht grundsätzlich eine große Lücke zwischen dem Angebot der Unternehmen und den Erwartungen der Nutzer der nichtfinanziellen Berichte. Nutzer erwarten vermehrt quantitative Daten, um die Auswirkungen des Klimawandels auf ein Unternehmen abschätzen zu können. Die Unternehmen sind häufig gerade mit solchen Daten zurückhaltend, da die Datenlage nicht verlässlich ist und/oder das Risiko des Wert- und Reputationsverlustes birgt.

 Szenarioanalysen

Szenarioanalysen sollen helfen, die Risiken und Chancen des Klimawandels für Unternehmen zu ermitteln. Sie können somit als wesentlicher Eckpfeiler für den Umgang mit dem Klimawandel in den Unternehmen dienen. Gleichzeitig stellen diese Analysen die größte Herausforderung in der klimabezogenen Berichterstattung dar. Häufig wird nur ein Best Case-Szenario dargestellt, was nicht der Idee der Szenarioanalyse entspricht.

Die vorhandenen Szenarioanalysen werden anhand unterschiedlicher Aspekte untersucht. Im Ergebnis zeigt sich häufig, dass auch hier die Transitionsrisiken genauer untersucht werden, da es für die physischen Risiken an einer ausreichenden Datengrundlage fehlt. Ein weiteres Problem sind die unterschiedliche Zeithorizonte. Die normale Unternehmensplanung konzentriert sich maximal auf die nächsten fünf Jahre. Klimabezogene Risiken werden sich in ihrem ganzen Umfang jedoch voraussichtlich erst später realisieren. Das zentrale Problem ist Erarbeitung einer ausreichenden Datengrundlage für die Szenarioanalysen. Es müssen sowohl die physischen Auswirkungen des Klimawandels als auch die politischen Antworten prognostiziert werden. Die Unternehmen treffen deswegen eine Reihe von Annahmen, was die Vergleichbarkeit der Analysen erschwert.

Handlungsansätze des Sustainable Finance Beirats

Auch der SFB zeigt in seinem Zwischenbericht die existierenden Schwachstellen des klimabezogenen Reportings auf und kommt zu einer ähnlichen Bewertung. Er führt diese u.a. auch auf das unabgestimmte Nebeneinander von finanzieller und nichtfinanzieller Berichterstattung sowie das Fehlen einer ganzheitlichen Herangehensweise zur Erstellung einer umfassenden Informationsbasis zurück. Nach den Feststellungen des SFB wird eine systematische und effiziente Auswertung nachhaltigkeitsbezogener Daten durch fehlende standardisierte Berichtsformate, Unklarheiten über materielle Nachhaltigkeitsfaktoren, unterschiedliche Bewertungsansätze von Nachhaltigkeitsratingagenturen, aber auch durch die Kosten für den Zugang zu Nachhaltigkeitsdaten erschwert. Ein verbesserter Informationsfluss zwischen Realwirtschaft und Finanzsektor ist jedoch Voraussetzung für eine solide und aussagekräftigen Datengrundlage, die ihrerseits für die Beurteilung von nachhaltigkeitsbezogenen Chancen und Risiken erforderlich ist.

Um dies zu erreichen, sollen nach Ansicht des SFB Finanz- und Nachhaltigkeitsbericht-erstattung zusammengeführt werden. Hierfür schlägt der SFB in seinem Zwischenbericht eine Reihe konkreter Handlungsansätze für die nichtfinanzielle Berichterstattung vor: Neben einer schrittweisen Ausweitung der nachhaltigkeitsbezogenen Berichterstattung auf alle Unternehmen, sowie einer Erweiterung der Unternehmensberichterstattung um zukunftsgerichtete Nachhaltigkeitsfaktoren zählt hierzu beispielsweise auch ein erleichterter Zugang zu Nachhaltigkeitsrohdaten von Unternehmen.

Ausweitung der Nachhaltigkeitsberichtspflicht bezogen auf berichtspflichtige Unternehmen 

Nach Ansicht des SFB hat sich mit Umsetzung der NFRD  durch das Umsetzungsgesetz CSR-RUG  in Deutschland die Transparenz der Unternehmensberichterstattung hinsichtlich ihrer umweltbezogenen Auswirkungen sowie ihrer (Nachhaltigkeits-)Strategien verbessert. Über eine Ausweitung der Berichtspflicht auf alle Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern (einschließlich der nicht kapitalmarktorientierten i.S.v. § 264d HGB) soll diese positive Entwicklung auf die breite Unternehmenslandschaft ausgedehnt und insbesondere KMU’s zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen ermutigt werden. 

Offenlegung von zukunftsgerichteten Informationen

Um die Chancen und Risiken der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und ihrer externen Auswirkungen auf die Umwelt besser einschätzen zu können, empfiehlt der SFB die Berichtspflicht von zukunftsgerichteten Informationen, beispielsweise zu den Einflüssen des bzw. Auswirkungen auf den Klimawandel, schrittweise auszuweiten. Damit soll zugleich die Offenlegung zukunftsgerichteter Indikatoren aus Artikel 4delta der politischen Einigung zur EU-Taxonomie-Verordnung unterstützt werden.

Erleichterter Zugang zu Nachhaltigkeitsrohdaten von Unternehmen

Nach Ansicht des SFB bestehen auch bei der Beschaffung von Nachhaltigkeitsinformationen erhebliche Hindernisse, die Berichtsnutzern das Sichten und die Verarbeitung von relevanten Nachhaltigkeitsinformationen erschweren. Um hierfür Abhilfe zu schaffen, soll eine (vorzugsweise auf europäischer Ebene) angesiedelte, allgemein zugängliche Nachhaltigkeitsrohdatenbank aufgebaut werden. In dieser sollen Nachhaltigkeitsinformationen, die im Zuge der Nachhaltigkeitsberichtspflicht von Unternehmen veröffentlicht werden, gesammelt werden. Ob hierfür eine neue Datenbank erstellt oder bestehende Datenbanken ausgebaut werden, ist noch zu prüfen.

Fazit

Der Report des European Reporting Lab bietet einen guten Überblick über die gegenwärtige Praxis der klimabezogenen Berichterstattung. Diese wird auch im Zwischenbericht des SFB behandelt und mit zahlreichen Handlungsansätzen versehen. Aus beiden Berichten wird deutlich, wie herausfordernd die nichtfinanzielle Berichterstattung ist. Es ist deswegen wohl davon auszugehen, dass zum einen die EU gewisse verbindliche Vorgaben erlassen wird. Zum anderen ist anzunehmen, dass auch auf nationaler Ebene einige der Handlungsansätze des SFB in die Sustainable Finance Strategie der Bundesregierung einfließen werden. Welchen Herausforderungen und Problemen diese Vorgaben gerecht werden müssen, zeigen beide Berichte sehr anschaulich. Gleichzeitig können sie aber auch als Vorlage für Unternehmen dienen, ihre gegenwärtigen Reporting-Standards bereits selbstständig zu verbessern.

 

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Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und seinen Folgen ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Der Finanzmarkt ist ein besonders geeigneter Multiplikator, um mehr nachhaltiges Handeln in Realwirtschaft und Gesellschaft zu verankern. Mit ihrem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums hat die EU-Kommission daher ein gewaltiges regulatorisches Vorhaben angestoßen, das sich unter dem Begriff „Sustainable Finance“ auf die gesamte Finanzmarktregulierung auswirken wird. Zahlreiche Gesetzesvorhaben sind angestoßen oder bereits umgesetzt. Unser Blog zu diesem Thema leistet durch engagierte Debattenbeiträge einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit aus juristischer Perspektive.

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