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Die Welt der binären Optionen: anscheinend doch nicht so schwarz-weiß?!

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde („ESMA“) hat das Produktverbot von binären Optionen zum Schutz von Kleinanlegern verlängert – jedoch mit einigen Ausnahmen. Die teilweise Rücknahme des Produktverbots für bestimmte Arten von binären Optionen zeigt wohl, dass die Welt dieser Produktklasse und ihrer Anbieter doch nicht so schwarz-weiß ist, wie von ESMA zunächst verlautbart.

Zumindest darf man die Frage stellen, ob nun innerhalb von drei Monaten tatsächlich derartige Änderungen eingetreten sind, die eine partielle Aufhebung des Produktverbots rechtfertigen oder, ob bereits von Anfang an, die Argumente für ein derart umfassendes Produktverbot zu schwach gewesen sind.

Die Verlängerung des Produktverbots mit einigen Ausnahmen zeigt aber vor allem, wie schwierig der Einsatz des noch jungen Aufsichtsinstruments und damit ein Verbot von Finanzinstrumenten abzuwägen ist. Zu erwarten ist, dass ESMA das Produktverbot auch weiterhin aufrechterhalten wird. Ob bei einem erneuten Verlängerungsbeschluss noch weitere Arten von binären Optionen ausgenommen werden, bleibt abzuwarten.

Produktinterventionen als neues Aufsichtsinstrument: Was hat ESMA beschlossen?

ESMA hat am 22. Mai 2018 ein Produktverbot von binären Optionen zum Schutz von Kleinanlegern in der Europäischen Union beschlossen (Beschluss (EU) 2018/795). ESMA hat damit erstmalig von ihrer Befugnis nach Art. 40 Abs. 1 lit. a der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 („MiFIR“) Gebrauch gemacht, wonach sie nunmehr befugt ist, die Vermarktung, den Vertrieb oder den Verkauf von bestimmten Finanzinstrumenten oder von Finanzinstrumenten mit bestimmten Merkmalen zu untersagen. Binäre Optionen dürfen daher seit dem 2. Juli 2018 in der Europäischen Union nicht mehr an Kleinanleger verkauft, vertrieben oder vermarktet werden.

Das Produktverbot galt zunächst für einen Zeitraum von drei Monaten. ESMA hat das Produktverbot um weitere drei Monate verlängert. Seit dem 2. Oktober 2018 ist der Vertrieb, die Vermarktung und der Verkauf von binären Optionen an Kleinanleger in Europa für zunächst weitere drei Monate untersagt. Im Gegensatz zum ursprünglichen Produktverbot vom 22. Mai 2018 sieht die Erneuerung des ESMA-Beschlusses jedoch nun einige Ausnahmen für bestimmte binäre Optionen vor.

Was genau sind binäre Optionen?

Eine binäre Option ist ein Derivat, das die folgenden Bedingungen erfüllt, unabhängig davon, ob es an einem Handelsplatz gehandelt wird oder nicht:

  • Es muss in bar ausgeglichen werden oder es kann auch abgesehen von einem Ausfall oder einem anderen Kündigungsereignis nach Wahl einer der Parteien in bar ausgeglichen werden;
  • es sieht die Zahlung nur bei seiner Glattstellung bzw. bei seinem Ablauf vor; und
  • seine Zahlung ist begrenzt auf: Einen vorher festgelegten Betrag oder Null, wenn der Basiswert des Derivats eine oder mehrere vorher festgelegte Bedingungen erfüllt oder nicht erfüllt.

Wer gilt alles als Kleinanleger?

Der Begriff Kleinanleger i.S.d. MiFID II-Richtlinie meint Kunden, die keine professionellen Kunden sind. Ein professioneller Kunde ist ein Kunde, der über ausreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügt, um seine Anlageentscheidungen selbst treffen und die damit verbundenen Risiken angemessen beurteilen zu können. Das Produktverbot für binäre Optionen erfasst daher nicht den Vertrieb, den Verkauf oder die Vermarktung gegenüber professionellen Kunden.

Zu den professionellen Kunden zählen z.B. Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, sonstige zugelassene oder beaufsichtigte Finanzinstitute, Organismen für gemeinsame Anlagen und ihre Verwaltungsgesellschaften und sonstige institutionelle Anleger. Daneben gelten auch Unternehmen als professionelle Anleger, die auf Unternehmensebene zwei der nachfolgenden Anforderungen erfüllen: EUR 20.000.000 Bilanzsumme, EUR 40.000.000 Nettoumsatz oder EUR 2.000.000 Eigenmittel.

Für welche Art von binären Optionen wird das Produktverbot zukünftig nicht mehr gelten?

Zunächst hatte ESMA ein grundsätzliches Produktverbot für binäre Optionen ausgesprochen. Mittlerweile ist ESMA davon abgerückt, sämtliche binären Optionsmodelle über einen Kamm zu scheren. Daher können seit dem 2. Oktober 2018 wieder bestimmte binäre Optionen auch an Kleinanleger vertrieben, verkauft oder vermarktet werden. Dazu gehören binäre Optionen, die die drei folgenden Bedingungen kumulativ erfüllen:

  • die Laufzeit von der Ausgabe bis zur Fälligkeit beträgt mindestens neunzig Kalendertage;
  • ein Prospekt, der gemäß der Prospektrichtlinie (2003/71/EG) erstellt und genehmigt wurde, ist öffentlich zugänglich; und
  • die binäre Option setzt den Anbieter während der gesamten Laufzeit der binären Option keinem Marktrisiko aus, und der Anbieter oder eine seiner Konzerngesellschaften erzielen mit der binären Option keinen Gewinn oder Verlust, mit Ausnahme von zuvor veröffentlichten Provisionen, Transaktionsgebühren oder anderen damit verbundenen Gebühren.

Sofern diese drei Kriterien vorliegen, hat ESMA nunmehr jedenfalls weniger Bedenken im Hinblick auf den Kleinanlegerschutz.

Daneben soll das Produktverbot auch nicht mehr für binäre Optionen gelten, für die am Ende der Laufzeit eine von zwei vorher festgelegten Auszahlungen vorgesehen und bei denen keine der festgelegten Auszahlungen niedriger als die Anfangsinvestition des Kunden sind. Die jeweilige Auszahlung für diese Art von binären Optionen könnte die höhere oder die niedrigere sein. In beiden Fällen würde der Anleger im Vergleich zu seiner Gesamtinvestition jedoch kein Geld verlieren. Da das Kapital eines Kleinanlegers in diesem Fall nicht in Gefahr ist, nimmt ESMA diese Produkte explizit vom Produktverbot aus.

Obacht bei binären Optionen auf Kryptowährungen

Zunehmend findet man auch Angebote von binären Optionsmodellen, die sich auf Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether als Basiswert beziehen, so bspw. von Cryptobo oder auf BitMEX angeboten. Ein BitMEX Upside oder Downside Profit Contract eröffnen dem Anleger nur zwei (binäre) Möglichkeiten: entweder erhält der Anleger die jeweilige Differenz zwischen dem Abrechnungspreis und Ausübungspreis (Strike Price) am Fälligkeitstag oder er geht leer aus, wenn der Strike Price nicht erreicht wird und trägt in jedem Fall die aufgewendeten Kosten der Erwerbsprämie. Dass der jeweilige „Barausgleich“ in der Regel in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen erfolgt, spricht nicht gegen die Einordnung als binäre Option i.S.d. ESMA-Produktverbots. Der von ESMA angestrebte Kleinanlegerschutz dürfte eine weite Auslegung des Begriffs „Barausgleich“ erfordern, auch wenn damit in erster Linie ein Ausgleich in Geld bzw. Fiat-Währungen gemeint ist. Sofern ein Ausgleich in Kryptowährungen erfolgen sollte, dürfte dies nicht als ein physisches Settlement anzusehen sein. Vom Sinn und Zweck des Produktverbots ausgehend, ist ein Anleger bei der immer noch sehr volatilen Marktlage von Kryptowährungen gegenüber einem Barausgleich in Fiat-Währungen zumindest einem vergleichbaren, wenn nicht sogar erhöhtem Risiko ausgesetzt.

Siehe auch:

https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-renew-prohibition-binary-options-further-three-months.

Die BaFin wird sich der ESMA-Entscheidung voraussichtlich anschließen: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Aufsichtsrecht/Verfuegung/vf_181129_anhoerung_allgvfg_Binaere_Optionen.html.

 

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